谢谢中国 - Vielen Dank China!

Das Ende der Welt hat sich wie zu Hause angefühlt.

Nach einer achttägigen Reise ans andere Ende der Welt sind wir wieder sicher in Mecklenburg Vorpommern angekommen. Es war eine nahezu surreale Woche für uns. Wir haben eine Show auf dem größten Rockfestival des bevölkerungsreichsten Landes der Welt gespielt, eine eigene Clubshow in Shanghai abgerissen und obendrein ist niemand verhaftet worden oder hat an die Schnauze bekommen. Besser geht's nicht. Uns fehlen die Worte. Nur eines müssen wir unbedingt jetzt schon loswerden, vielen Dank an alle Menschen, die diesen Trip möglich gemacht haben, allen voran Yang und Yoko aber natürlich auch die Besucher unserer Tour im letzten Jahr! Vielen Dank euch allen! Wir versuchen sobald es geht eine kleine Story hier auf unserer Seite hochzuhauen und ein Video fertig zu schnippeln. Seid uns nicht böse, wenn das etws dauert. Wir müssen erstmal ein paar Tage mit aufgerissenen Augen an die Wand starren, um diese Woche zu verarbeiten.


Abflug

Wir lungern unentschloßen in der Abflughalle des Hamburger Flughafens herum und machen inmitten der umherschwirrenden Business-Dresse und Alu-Koffer einen ziemlich vergammelten Eindruck. Helmut Schmidt grinst uns keck unter seinem Elbsegler hervorlugend an. Ich muss an meinen Opa denken. Wenn der wüsste...

Keiner von uns hat in den letzten Tagen gut geschlafen, sei es aus Anspannung, wie bei mir, oder weil sie in den letzten Tagen versucht haben, die nächste Woche möglichst "rauszuarbeiten", um keinen all zu beschissenen Start ins normale Leben in acht Tagen zu haben. Darf man sowieso keinem erzählen, was das in den letzten 48 Stunden schon wieder für ein Akt war, überhaupt die Reise antreten zu können. Ich spiele in Gedanken, das Telefonat mit dem chinesischen Sachbearbeiter der Visumsvergabe in Berlin durch. Was hat er nochmal geiles gesagt? "Das nächste mal, machen Sie ein bisschen mehr Zack, Zack, oder sie bleiben dann alle Mal zu Hause!" Ich muss grinsen, ist ja nicht so, dass wir das hier nicht schon seit Monaten planen würden. Und trotzdem hat unser Sänger Horsti erst gestern die notwendingen Visa Dokumente in Berlin abholen können. "Die Auskünfte zu den Hotels fehlen, die Flugnummern passen nicht, wir brauchen noch eine Bestätigung ihres Arbeitsgebers", ein Wahnsinn das alles. Nun scheinen wir es aber tatsächlich gepackt zu haben, alle Mann an Deck. Neben mir steht Paul, der tatsächlich noch schlacksiger wirkt als ich. Er hat sich damals direkt auf das Abenteuer eingelassen, noch am Telefon hat er mir fest zugesagt und im Anschluss alle Termine für die Woche gestrichen. Als Gegenleistung wollte er nur die Kohle für einen Reisepass haben, das hier ist tatsächlich seine erste interkontinentale Reise. Und das gleich mit uns, hoffentlich will der nicht schon beim Hinflug aus dem Notausgang springen. Hat doch neulich irgend eine Verrückte probiert. Hat das eigentlich hingehauen? War das nicht sogar in Asien? Ich werde aus meinen Tagträumen gerissen. Der Gänsemarsch zum Checkin beginnt. Fünf Vögel vom Mecklenburger Land, die sich zu Schulzeiten als Band mit hirnrissigem Namen zusammengetan haben, und drei andere Typen starten gemeinsam in ein Abenteuer. Wir werden zusammen das größte Rock-Festival Chinas spielen, das MIDI in Suzhou.

Der Plan zu dieser Tour gährte schon eine ganze Weile in uns. Über, unzählige Ecken und Kontakte, teilweise entstanden auf unserer letzten Tour in Russland sind wir eingeladen worden, zu einem Festival mit einem in China Status vergleichbar mit Rock am Ring, nur eben 10.000 Kilometer weit von zu Hause weg. Irgendwie haben wir das alle noch nicht so wirklich geschnallt...

Ein Vorgeschmack haben uns in den letzten Monaten immer wieder Youtube geliefert, verwischte, verwackelte Handyvideos, aber auch aufwendigst produzierte HD-Schmankerl, allesamt zeigten sie eine unfassbare Menschenmasse, die irgendeinem uns unbekannten asiatischen Star zujubeln. Wir sind jedes mal aufs neue elektrisiert gewesen. Ich versuche immer wieder etwas euphorische Grundstimmung aufkeimen zu lassen, so etwas wie "Krass, dass wir jetzt echt fahren, oder? Der Hammer, das größte Rockfestival in China!" So richtig einschlagen können meine Kommentare aber nicht und außer dumpfen Gegrunze ernte ich wenig Begeisterung. Na gut, wenn das alles nichts nützt. Ich besinne mich auch ein Jahrtausende altes Rezept, das den Menschen seit jeher durch angespannte Phasen leitet. SAUFEN. Nachdem die anstrengede Sicherheitskontrolle mit ein paar Aluminumgeschossen runtergespült wurde, ist die Stimmung gleich ganz anders und die obligatorischen Selfies gehen gleich eine ganze Spur flüssiger. Wir nehmen ein paar Videos für Instagram auf, schreiben Mutti noch ein letztes mal und trotten behäbig in den Bus zum Flieger nach Kopenhagen. Von da an geht es nach zwei Stunden Aufenthalt weiter gehen ans andere Ende der Welt.

An den Flug durch die Nacht erinnere ich mich nicht mehr ganz klar. Nachdem wir...

MAO Live House